Neues aus der Fachschule

Projektwoche 2018 Budo - Kampfkunst in Pädagogik und Therapie (Michael Kipp)

Referent: Michael Kipp, Erlebnis- & Budopädagoge, Master Level I, Budotherapeut, Instructor IfBP)
Für die 19 Schüler/innen ging es dieses Jahr nach Schifferstadt in das Takemusu Aikido (friedvolle Kampfkunst aus Japan) „In Yo Ryu“ Dojo.

Die Projektwoche stand unter dem Motto: „Kampfkunst in Pädagogik und Therapie“, die im Zusammenhang mit der Budopädagogik (siehe Wolters) vorgestellt wurde. Dabei stand der Fokus auf die facettenreiche Vielfalt der Kampfkünste, die zur Erweiterung der praxisorientierten Handlungsfähigkeit beitragen sollte. Die Rahmenbedingungen boten einen ersten Einblick in die Welt des Budo (Überbegriff für alle jap. Kampfkünste), die sich der Kultivierung von Friedfertigkeit verschrieben hat. Das persönliche Wachstum und die Auseinandersetzung mit der eigenen Person diente dabei als eine Art der „Innenschau“, die in der Zen-Meditation erfahrbar wurde. Einander aufbauende Übungen beinhalteten die sechs Wesenselemente (Bu/Kampf stoppen, Do/Weg-Lehre, Dojo/Ort der Übung, Reigi/Etikette, Shitei/Lehrer-Schüler Beziehung und Zen/Achtsamkeit), die zum didaktisch/methodischen Lehr- und Lernansatz eine bedeutende und zentrale Rolle einnahmen. Dabei wurden die einzelnen Aspekte zur ganzheitlichen Wahrnehmung angeboten und in Theorie und Praxis mit Übungen und Spielen verdeutlicht. Daraus resultierte ein Zugewinn an Wahrnehmungsfähigkeit und ein Bewusstsein, hin zur Achtsamkeit, sich selbst und anderen gegenüber.
Im budopädagogischen Setting wurden die Inhalte soweit einer differenzierten Wahrnehmung zugeführt, sodass der sonderpädagogische Ansatz zwischen Reiz und Reaktion (Impulskontrolle) ein Zeitfenster öffnen sollte, in dem Lernerfahrungen und Lernziele für Klienten zu offenbaren waren. Insbesondere konnten die Beschreibungen von Entwicklungsdefiziten und Störungsbildern bei Kindern und Jugendlichen benannt werden, um die Besonderheiten der Wesenselemente im Budo einer Wirksamkeit zuzuführen. Dabei konnte die Besonderheit im Dojo, als besonderer Schutzraum nachvollziehbar erläutert werden, weil in diesem speziellen Raum die Aufhebung der Defizite stattfinden kann und im besten Fall ihre Bedeutung verlieren. Die verbindliche Etikette (Reiho) diente zum respektvollen Umgang inmitten der Philosophie und Ethik einer empathischen Haltung, da wir am Beispiel einen Partner zum Üben und keinen Gegner zu besiegen hatten. Jeder Tag wurde mit einer Meditationseinheit (Zen) eingeleitet und rituell, mittels der Verneigungspraxis beendet, sodass die Achtsamkeit in allem Handlungen in ihrer Gegenwart gehalten wurde. Im Zentrum stand natürlich die Auseinandersetzung mit dem Kampf und dessen Phänomene, die von den Teilnehmern/innen aus der eigenen Praxiserfahrung angesprochen und ressourcenorientiert analysiert wurde. Dabei steht der Kampf (Bu), hinsichtlich seiner Transzendenz, den Kampf zu stoppen bzw. zu beenden im Mittelpunkt. Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler (Shitei) und die im pädagogischen Beruf wirksame Haltung im Innen sowie im Außen wurde indessen auf die persönliche Reflexion untersucht und in der Gruppe benannt, sodass ein Zugewinn der eigenen Achtsamkeit gegenüber geschuldet war. Die Unterscheidung der Weg-Lehre (Do), als Lebensweg und differenzierter Ansatz zum ganzheitlichen Förderungsbedarf, als integrativ, eklektizistischer Ansatz der westlichen und östlichen Denk- und Sichtweise vollzog sich als Abschluss der Projektwoche im Schweige Retreat. So trumpften wir mit der Erfahrung zur Stille hinter der Ruhe, um diese zu entdecken.

Literatur:
Wolters, J.-M. et al (Hrsg): Budopädagogik; Augsburg 2008
Wolters, J.-M. et al (Hrsg): Budo Pädagogik; Norderstedt 2014
Wolters, J.-M. et al (Hrsg): Budo Pädagogik und Therapie; Wien 2016

Zurück