Aktuelles
Neues aus der Fachschule
Milieus sind keine Schubladen
Heidelberg (art). „Wie ticken Jugendliche?“ Das war die Fragestellung des diesjährigen Fachtags der Katholischen Fachschule für Sozialwesen in Heidelberg. Er fand am vergangenen Mittwoch statt in der Stadtbücherei Heidelberg. Die Teilnehmer waren interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus kooperierenden Jugendhilfeeinrichtungen und sonstigen Institutionen sowie ein Kurs der Fachschule im ersten Ausbildungsjahr.
Im Mittelpunkt standen die Sinus-Milieus des Heidelberger Instituts Sociovision für psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung und Beratung. Mit diesen Milieus kann die Gesellschaft dargestellt und eingeteilt werden. „Diese Milieus sind aber keine Schubladen, in die man Menschen eindeutig einordnet“, sagte Peter Martin Thomas, Mitglied im Beirat zur Sinus-Studie U 27, der den Fachvortrag hielt. „Die Milieus geben Hinweise auf die Zusammensetzung einer Gesellschaft, auf die Vorlieben, Gewohnheiten und Lebensstile von Menschen.“ Die Sinus-Studie ordnet die Befragungsergebnisse einem Koordinatensystem zu, das sich aus Sozialer Lage und Werteorientierung zusammensetzt.
Für die Zuhörer griff Thomas die Studie über die Lebenswelten junger Menschen zwischen 14 und 19 Jahren heraus. Er beschrieb die sieben Milieus, die die Sinus-Studie definiert hat: von traditionell und bürgerlich über konsum- und vergnügenorientiert bis experimentalistisch. Dazu hatte er milieutypische Musikbeispiele parat, Zeitschriftenmuster, beliebte Werbespots und Tagebuchnotizen, die den Vortrag sehr einprägsam und kurzweilig machten. Am Nachmittag wurden die Themen des Vormittags in Workshops bearbeitet und vertieft. Dabei ging es um die praktische Anwendung der Sinus-Milieus, um Elternarbeit, um Jugendliche im Internet oder um Migranten. „Wir setzen in unserer Ausbildung die Erkenntnisse der Sinus-Studie in konkrete Handlungsansätze um“, sagte Ursula Menz, die Leiterin der Heidelberger Fachschule. „Die Studie hilft, die jungen Menschen, mit denen unsere Absolventen zu tun haben, besser zu verstehen und auf sie in einer hilfreichen Art und Weise einzugehen.“ Die Katholische Fachschule für Sozialwesen Heidelberg hat den Schwerpunkt Jugend- und Heimerziehung. Träger ist der Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg.
Diana Garcia, Bildungsreferentin beim Diakonischen Werk in der Pfalz und Teilnehmerin am Fachtag sagte: „Ich kannte die Studie zwar bereits vorher, doch der Fachtag in seiner Kombination von Vortrag und Workshops hat mir die Bedeutung und die Relevanz der Studie für die praktische Arbeit noch einmal ganz deutlich gemacht.“ Ergebnisse der Studie waren unter anderem: Der Impuls zu helfen, sich zu engagieren, um etwas zu verändern, ist bei den jungen Leuten der meisten Milieus vorhanden, allerdings unterschiedlich stark und aus unterschiedlichen Motiven. Einzelne Milieus grenzen sich sehr voneinander ab. Soziale Lage und Bildung haben Einfluss auf das Engagement für andere.
Verfasser: Martin Stock, Agentur Art
Umfang: zirka 2.900 Zeichen
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